Curriculum 2028 · Berufsbegleitend · 4 Jahre

Vier Jahre, die formen.

Theoretisches Fundament, klinische Praxis, Supervision und Selbsterfahrung — gestaltet für Psycholog:innen, die neben der Arbeit in Klinik oder Praxis den eidgenössisch anerkannten Fachtitel anstreben.


~700
Lektionen Theorie, in Blockkursen Fr / Sa.
3'600
Stunden supervidierte klinische Praxis, über vier Jahre.
200 h
Supervision — einzeln und in Kleingruppen.
30 h
Selbsterfahrung. Weil Haltung geübt werden muss.

01 · Struktur

Zwei Phasen, ein Weg.

Das Curriculum orientiert sich am SVNP/EAN-Referenzrahmen. Die ersten zwei Jahre bauen das diagnostische und klinische Fundament (DAS-äquivalent). Die folgenden zwei Jahre vertiefen Spezialthemen, Neurotherapie und wissenschaftliche Arbeit (MAS-äquivalent).

Format
Blockkurse Freitag und Samstag, ca. alle sechs bis acht Wochen. 12–14 Blöcke pro Jahr.
Pensum
Parallel zu 60–80% klinischer Tätigkeit bewältigbar. Teilnehmende sollten ihre Praxisstelle vorab besprochen haben.
Kohorte
12 bis 16 Teilnehmer:innen. Kein Zugang ohne persönliches Aufnahmegespräch.
Zulassung
Masterabschluss in Psychologie (Uni/FH, MSc oder lic. phil.), FSP-Mitgliedschaft oder Berechtigung dazu, bereits bestehende oder zugesicherte Praxisstelle in einer anerkannten Einrichtung.
Abschluss
Fachpsycholog:in für Neuropsychologie & Neurotherapie IKNN — als Vorbereitung auf den eidgenössischen Fachtitel EAN (nach Akkreditierung).

02 · Theorie-Module

Was gelehrt wird.

Phase I — Fundament

Jahr 1 und 2 · ca. 350 Lektionen

Modul 01 · 50–70 h

Neuroanatomie & Funktionssysteme

Hirnstrukturen, Funktionssysteme, Plastizität, Alterung. Grundlage für alle weiteren Module — kein Befund ohne Vorstellung der Systeme, die ihn verursachen.

GrundlagenPflicht
Modul 02 · 60–80 h

Neuropsychologische Diagnostik

Testtheorie, Psychometrie, Assessment-Planung, Interpretation. Arbeit mit Paper-Pencil-Verfahren und validierten digitalen Testsystemen.

KernPflicht
Modul 03 · 60–80 h

Klinische Neuropsychologie I

Die häufigen Syndrome: Aphasie, Apraxie, Neglect, Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, exekutive Dysfunktionen. Am Fall gelehrt.

KernPflicht
Modul 04 · 40–60 h

Rehabilitation & Therapie I

Kognitives Training, Kompensationsstrategien, Transferplanung. Von der Einzelsitzung bis zum interdisziplinären Reha-Plan.

Praxisnah
Modul 05 · 30–50 h

Psychosoziale Dimensionen

Adjustment to Illness, Angehörigenarbeit, berufliche Reintegration. Die Umgebung, in die eine Diagnose zurückkehrt.

Ergänzend
Modul 06 · 30–40 h

Forschungsmethodik

Studiendesign, Statistik, Ethik. So viel, wie für fundierte Lektüre und die eigene Abschlussarbeit nötig ist.

Grundlagen
Phase II — Vertiefung

Jahr 3 und 4 · ca. 350 Lektionen

Modul 07 · 60–80 h

Klinische Neuropsychologie II — Spezialthemen

Vertiefung: Schlaganfall, traumatische Hirnverletzung, Demenzen, pädiatrische Neuropsychologie, psychiatrische Komorbiditäten.

Vertiefung
Modul 08 · 50–70 h

Neurotherapie

Der Namensbestandteil des Instituts. Neurofeedback, kognitive Stimulation, neuropsychotherapeutische Interventionen. Wo Diagnostik endet und Therapie beginnt — und wo die Grenze gerade aufgelöst wird.

Schwerpunkt
Modul 09 · 30–50 h

Neuroimaging & Biomarker

fMRI, DTI, PET, genetische Marker. Genug, um Befunde zu verstehen und interdisziplinär sprechfähig zu sein.

Vertiefung
Modul 10 · 40–60 h

Interdisziplinäres Fallmanagement

Kommunikation mit Neurologie, Psychiatrie, Physio-, Ergo- und Logopädie. Der Fall gehört dem Team — die Verantwortung der Fachperson.

Praxisnah
Modul 11 · 20–30 h

Ethik & Berufsrecht

PsyG, Berufsgeheimnis, Datenschutz, Versicherungskontext. Die rechtlichen Linien, in denen Neuropsychologie tatsächlich stattfindet.

Pflicht
Modul 12 · 60–100 h

Wahl-Spezialisierung & Abschlussarbeit

Vertiefung in einem selbstgewählten Feld: Neurorehabilitation, pädiatrische Neuropsychologie, Alter, forensische Neuropsychologie. Begleitet von der schriftlichen Abschlussarbeit.

Abschluss
03 · Klinische Praxis

Dort lernen, wo Menschen sind.

Der eidgenössisch anerkannte Fachtitel verlangt mindestens 3 600 Stunden supervidierter Praxis in zwei unterschiedlichen Settings. Das IKNN begleitet Teilnehmende dabei, geeignete Praxisstellen zu finden und zu strukturieren.

  • Ambulant
    Praxen und ambulante Fachambulanzen

    Neuropsychologische Praxen mit breitem diagnostischem und therapeutischem Spektrum. Einzelfall-Supervision, strukturierte Berichte, eigenständige Fallführung nach Einarbeitung.

  • Stationär
    Kliniken und Reha-Zentren

    Neurorehabilitation, akute Neurologie, Memory Clinics. Komplexere Fälle, höhere Fallzahlen, interdisziplinäre Visiten. Mindestens ein Setting dieser Art ist vorgeschrieben.

  • Kooperation
    Anerkannte Weiterbildungsstätten der Ostschweiz

    Das IKNN baut seit 2026 ein Netz von kooperierenden Einrichtungen auf. Angestrebt sind verbindliche Kooperationsverträge mit mindestens vier stationären und fünf ambulanten Häusern.

  • Logbuch
    Lückenlose Dokumentation

    Alle Einheiten werden pseudonymisiert dokumentiert, monatlich durch die Weiterbildungsstätte geprüft, quartalsweise durch die Institutsleitung. Grundlage für die Anerkennung durch SVNP und BAG.


04 · Supervision & Selbsterfahrung

Wo Haltung entsteht.

Supervision ist am IKNN kein nachgeordnetes Element. Sie ist der Ort, an dem klinisches Wissen zu Urteilsvermögen wird. Wir planen kleinere Gruppen als üblich, mehr Einzelsupervision und eine frühe Bindung zwischen Supervisor:in und Kandidat:in.

Einzel-Supervision
150 Einheiten à 50 Minuten über vier Jahre, ein bis zwei Termine pro Monat.
Gruppen-Supervision
50 Einheiten. Fallkonferenzen und Balint-Gruppen, moderiert durch das Kollegium.
Supervisor:innen
EAN-Titel oder FSP-Fachpsycholog:in für Neuropsychologie, mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nach Titelerwerb.
Selbsterfahrung
30 Einheiten über die gesamte Weiterbildung, in Einzel- oder Gruppenformat. Nicht als Pflicht, sondern als Werkzeug.
05 · Meilensteine & Abschluss

Wie geprüft wird.

  • Ende Jahr 1
    Zwischenstandsgespräch

    Strukturiertes Feedback auf Grundlage Logbuch, Supervisionseinschätzung und zwei schriftlicher Fallvignetten. Kein Ausschluss, aber ein klares Bild.

  • Ende Jahr 2
    Diagnostik-Prüfung

    Schriftliche Arbeit zur eigenständigen Fallführung in der Diagnostik, mit mündlicher Verteidigung. Abschluss der Fundament-Phase.

  • Jahr 3 und 4
    Zwei dokumentierte Fallarbeiten

    Je ein Fall aus Diagnostik und einer aus Therapie / Rehabilitation, schriftlich dokumentiert (je 10–15 Seiten), im Kolloquium vorgestellt.

  • Ende Jahr 4
    Abschlussarbeit & Kolloquium

    Schriftliche Arbeit von 30–50 Seiten — Fallstudie, Literaturübersicht oder empirische Kleinstudie. Mündliche Verteidigung vor einem Gutachter:innen-Duo.


06 · Gebühren

Was es kostet.

Die Gebühren werden im Frühjahr 2027 verbindlich kommuniziert. Als Orientierung nennen wir hier den vorgesehenen Rahmen — vergleichbar mit anderen akkreditierten Schweizer Weiterbildungsgängen.

Jahresgebühr
Voraussichtlich CHF 7 500 — inkl. Theorieunterricht, Gruppensupervision, Lernplattform
Gesamt
Ca. CHF 30 000 über vier Jahre
Prüfungsgebühr
Einmalig CHF 500 im vierten Jahr
Einzelsupervision
Separat honoriert; häufig durch Arbeitgeber mitgetragen
Finanzierung
Viele Arbeitgeber übernehmen 50–100 Prozent der Kosten. Wir unterstützen Teilnehmende bei der Ausarbeitung entsprechender Vereinbarungen.
Nächste Schritte

Ein Gespräch beginnen.

Das Curriculum wird bis Q4 2026 finalisiert. Erste Informationsveranstaltungen sind für Ende 2027 geplant. Tragen Sie sich gern in den Verteiler ein — oder schreiben Sie direkt.